Weinfeste und Weinproben

1. Vorwort

"Die Herstellung einer "Raz"! Sicherlich kein einfaches Unterfangen und für Leute mit zwei linken Händen in keinster Weise geeignet, sich damit zu beschäftigen. Dennoch haben einige der "Lehmer Razejungen" dieses Thema als Winteraktion 1995/1996 und 2014/2015 ausgewählt.

Heute ist noch bekannt, dass sich in den dreißiger Jahren Eifeldörfer wie zum Beispiel Ettringen und Landkern, die hier für alle stellvertretend genannt sein sollen, mit dem Razebauen beschäf­tigt haben. Sie boten nicht nur ihre Razen, sondern auch Körbe, Birkenbesen und andere Flechtwaren in den Moselgemeinden zum Verkauf an. Damals, so erinnert sich der gebürtige Ernster Freizeit-Razenbauer Martin Klemens, hatte eine "Raz" immerhin 18 Reichsmark geko­stet. Für damalige Verhältnisse ein kleines Vermögen, lag der Taglohn doch nur bei 1,20 RM. Mit aus diesem Grund haben sich viele daran gemacht, selbst solche Arbeitsgeräte für den Ei­genbedarf anzufertigen.

Obwohl der eine oder andere Winzer aufgrund der guten Depotwirkung einer Langzeitdün­gung seiner Weinstöcke mit frischem Stallmist in keinster Weise abgeneigt wäre, erfolgt heut­zutage die Düngung der Steilhänge mit wirtschaftlicheren Methoden und neueren Arbeitstech­niken.

Mit Sicherheit gibt es hier und da andere Techniken die bei der Herstellung einer "Raz" ange­wendet worden sind. Es gibt auch viele unterschiedliche Formen die einer "Raz" auf ihren, zum Teil langen Lebensweg mitgegeben wurden. Im Grunde genommen sind sie alle Unikate gewe­sen, in denen jeder Razenbauer eigene Vorgaben, sei es in handwerklicher Art und Weise oder auch in der Formgebung umgesetzt hat. Zum Vergleich sind einige auf Bildern der Anleitung beigefügt. Wichtig erscheint es uns "Razejungen" jedoch ein Stück Lehmener Geschichte und Handwerkskunst zelebriert zu haben, ohne jedoch den Anspruch zu erheben alles richtig getan zu haben. Es gehört schon eine gehörige Portion handwerkliches Geschick und Erfahrung dazu, eine "Raz" zu bauen. Diese Fähigkeiten lassen sich nicht in ein paar Nachmittagen erwer­ben. Dennoch können wir "Razejungen" ein Teil unseres Planes als erledigt festhalten, altes "Lehmener Brauchtum" wieder zum Leben erweckt zu haben.

2. Widmung

Diese Dokumentation soll den "echten Razejungen" aus Lehmen und aus den Weindörfern an der Mosel gewidmet sein, die für kargen Lohn den Mist mit ihren Razen in die Kuhre der Steilhänge geschleppt haben.

Die heutigen Razejungen müssen für ihr Einkommen keinen Mist mehr in die Steillagen schleppen, diese Zeiten sind längst vergangen. Sie haben sich aber das Ziel gesetzt, dieses alte Lehmener Brauchtum in der Gemeinde und auch über die Ortsgrenzen Lehmens hinaus zu erhalten und zu pflegen, damit es nicht vergessen werden soll. 

3. Die benötigten Werkzeuge und Hilfsmittel

Die verwendeten Werkzeuge weisen deutlich auf die rein handarbeitlichen Tätigkeiten hin, die beim Bau einer "Raz" zu verrichten sind. Hierzu gehören Werkzeuge, die in keinem Super­markt zu finden sind. Sie stammen aus einer Zeit in der es noch keine modernen Heim­wer­kermaschinen zu kaufen gab. Dennoch sind es Arbeitsgeräte, die damals in fast keinem Haus­halt gefehlt haben, konnte man doch mit ihnen eine große Palette an benötigten Arbeitsgeräten herstellen. Seien es Reiserbesen, Körbe, Gartenrechen, Heugabeln und vieles andere mehr.

Wir haben sie wieder hervorgeholt von Dachboden, Keller und Schuppen. Zum Werkzeug ist zu sagen, dass es sich in einwandfreiem Zustand befinden muss. Besonders ist vor dem Beginn der Arbeiten der Zustand der Schneidklingen zu untersuchen. Sie müssen gegebenenfalls zuerst geschärft werden.

Für den Bau einer Raz wird folgendes Werkzeug beziehungsweise Hilfsmittel benötigt:

Hebe
Die Hebe, auch Häb genannt, zum Hauen der Haselnussstöcke, umgangssprachlich Schindknüppel genannt

Bild folgt


Schraubstock, in der Hauptsache zum Ablösen der Schinne vom Stockanfang

Zieheisen


Zieheisen, zum Schälen der Aufsteller und Splisse

Schneid- oder Ziehbank


Schneid- oder Ziehbank, zum Einklemmen der Stöcke beim Schälen

Kneip


Kneip, Hobel zum Schälen der Schinne. Das Werkzeug besitzt eine einstellbare Klinge zum Festlegen der Spandicke.

RLP-Tage

Der Rheinland-Pfalz-Tag ist das jährliche Landesfest des Bundeslandes, das immer in einer anderen Stadt stattfindet.

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