Die Lehmer Razejunge wurden für ihr Projekt "Förderung der Artenvielfalt in der Lehmener Würzlay" mit dem innogy Klimaschutzpreis 2017 ausgezeichnet. Kommunalbetreuer Michael Dötsch, bei innogy Leiter der Region Rauschermühle, begündete die Entscheidung der Jury wie folgt:

"Die Lehmer Razejunge setzen sich für den Erhalt der historischen Weinbauland-schaft der Lehmener Würzlay ein, u.a. wurden nicht mehr bewirtschaftetet Weinbergflächen gerodet und freibestellt, Kleinbiotope erhalten und gefördert, Lebensbereiche für gefährdete Schmetterlingspopulationen geschaffen, Totholzbereiche für Reptilien, Insekten und Wildbienen angelegt und Nisthilfen aufgestellt. Durch diese Maßnahmen werden die Umweltbedingungen, die Lebens- und Erholungsbereiche sowie die Lebensqualität verbessert."

In der Tat haben sich in der Zwischenzeit Schmetterlingspopulationen, Bienen, Hummeln und Reptilien vervielfacht bzw. neu angesiedelt. 

 

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Sie ist Nutznießer von Entbuschungsmaßnahmen, Trockenmauerfreistellungen, -pflege und -sanierung, sowie von neu angelegten Steinstrukturen in ehemaligen Weinbergflächen. Dazu zählen u.a. Steinlinsen und Lesesteinhaufen.

Die Mauereidechse ist schlank, hat einen langen Schwanz und kann bis ca.25 cm lang werden. Der Schwanz kann doppelt so lang wie der eigentlich Körper sein. Sie hat einen braunen Rücken mit dunklem Mittelstreifen, unregelmäßigen schwarzen Flecken, die manchmal als Netzmuster ausgebildet sind. Die Färbung kann bei der Art sehr variieren. So kommen auch grünliche Färbungen vor.

Paarungszeit ist von März bis teilweise Juli. Ein Eidechsenpaar legt pro Jahr bis zu drei Gelegen mit zwei bis zehn Eiern. Nach zwei bis drei Monaten schlüpfen die Jungen. Käfer, Würmer, Asseln und Spinnen dienen als Nahrung.

Eidechsen können bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen ("Autonomie"). Er bewegt sich eine Zeit und der Fressfeind wird von der eigentlichen Eidechse abgelenkt. Meistens wächst der Schwanz nur in kürzerer Form nach.


Schlingnatter (Coronella austriaca) )

Sie wird auch Glattnatter genannt, ist ein weiteres charakteristisches Reptil in unseren wärmeverwöhnten Weinbergen. Sie ist eine relativ bissige Art, deren Biss dennoch völlig harmlos ist.

Die recht zierliche Schlange wird max. 75 cm lang, hat runde Pupillen, an den Kopfseiten zieht sich ein charakteristisches dunkelbrauner Streifen vom Nasenloch über das Auge bis hin zum Mundwinkel. Die Hinterkopfzeichnung, das "Krönchen", stellt sich individuell als herz- oder hufeneisenförmiger dunkler Fleck dar, der sich häufig in zwei Längsreihen auf dem Rücken fortsetzt. Die Grundfärbung der Oberseite ist grau, graubraun bis rötlich-braun.

Während der Paarungszeit im späten Frühjahr führen die Männchen starke Kämpfe aus. Die Tragzeit dauert vier bis fünf Monate. Die Schlingnatter legt keine Eier, sondern ist lebendgebärend. Jedes Weibchen gebiert je nach seiner Größe 3 - 15 Junge.

Als Nahrung dienen der Schlingnatter Mäuse, Blindschleichen, Eidechsen und deren Eier. Fühlen sie sich bedroht, ringeln sie sich tellerförmig zusammen und heben den Vorderkörper S-förmig an.


  • Bienenstock

    Bienenstock und Lavendel im Weinberg

  • Biene an Lavendelblüte

    Biene an Lavendelblüte

  • Blühender Lavendel und Weinbergspfirsichbäume

    Blühender Lavendel und Weinbergspfirsichbäume

  • Marienkäfer an Lavendelblüte

    Marienkäfer an Lavendelblüte

  • Lavendelblüten

    Lavendelblüten

Bedeutung des Lavendel für Insekten

Der Echte Lavendel (Lavendula angustifolia) gedeiht in unserem mediterranen Klima an der Terrassenmosel sehr gut. Die trockenen und nicht zu humusreichen Böden bieten ideale Bedingungen. Über 3000 Pflanzen wurden im Razejungewingert zur Verhinderung der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Weinbergflächen gesetzt. Gleichzeitig ist der Lavendelanbau eine Nutzungsalternative für schwer zu bewirtschaftende Terrassenlagen.

Durch das üppige Blütenangebot in den Sommermonaten entwickelte sich ein El Dorado vor allem für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Die Anzahl der Insekten hat sich durch die Lavendelpflanzungen immens vervielfacht. Inzwischen befinden sich über 25 Schmetterlingsarten in der Zeit von Mai bis September im Razejungewingert.

In aufgestellten Bienenstöcken auf hochgelegenen Kuhren produzieren Honigbienen den seltenen und wohlschmeckenden Lavendelhonig. Die Honigbiene fliegt in der Regel im Tagesablauf zeitiger als viele Wildbienen und kann deshalb Nektar bereits früh absammeln.

Der drastische Rückgang blütenbestäubender Insekten kann weitgehend auf Ressourcen-mangel zurückgeführt werden, das heißt auf Mangel an Blüten und Lebensräumen. Die Bienen übernehmen eine wichtige Funktion bei der Bestäubung vieler Nutzpflanzen. Rund 80 % der 2.000 bis 3.000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Honigbiene als Bestäuber angewiesen. Der wirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteigt den Wert der Honigproduktion um das 10 bis 15 fache.

Die blühenden Lavendelpflanzungen wirken dem starken Insektenrückgang in unserer Kulturlandschaft entgegen. Zur Produktion eines Nachkommen benötigen die meisten Wildbienen den gesamten Pollen von ca. 30 Blüten. Alleine daraus wird ersichtlich welche Bedeutung Blühpflanzen zum Erhalt unserer Insekten haben.


  • Spanische Fahne (Euplagia quadripunctaria)

    Spanische Fahne (Euplagia quadripunctaria)

  • Segelfalter (Iphiclides podalirius)

    Segelfalter (Iphiclides podalirius)

  • Schlehen Zipfelfalter (Satyrium acaciae)

    Schlehen Zipfelfalter (Satyrium acaciae)

  • Mosel-Apollo (Parnassius apollo vinningensis)

    Mosel-Apollo (Parnassius apollo vinningensis)

Schmetterlinge (Lepidoptera)

Als klimatisch begünstigte Region beherbergt das untere Moseltal eine vielfältige Flora und Fauna, die überregional von großer Bedeutung ist. Besonders zahlreich sind Schmetterlinge vertreten, von denen viele hauptsächlich mediterran sind. Diese Arten, darunter einige deutschlandweit sehr seltene, wie der Segelfalter (Iphiclides podalirius), der Kleine Schlehen-Zipfelfalter (Satyrium acaciae) und die Spanische Fahne (Euplagia quadripunctaria), besiedeln die trockenheißen Südhänge. Dort profitieren wärmeliebende Arten vom Weinbau.

Der Lebensraum Südhang ist jedoch durch die immer weiter fortschreitende Verbuschung, die vor allem mit der Nutzungsaufgabe vieler Weinberge einhergeht, gefährdet. In der Regel wachsen brachgefallene Weinbergparzellen bereits nach wenigen Jahren mit Brombeeren, Waldreben und Schlehen zu. Von dort aus dringen diese Pflanzen nicht selten in die umliegenden felsigen Bereiche ein und verdrängen dort die standorttypische Flora. Dies hat schließlich fatale Folgen für die meisten wärmeliebende Tierarten.

In und um den Razejungewingert wurden viele ehemals verbuschte Weinbergbrachen, die nun nachhaltig bewirtschaftet werden, von den Vereinsmitgliedern der Lehmer Razejunge in aufwendiger Handarbeit freigestellt.

Davon profitieren unter anderem der Rote Apollofalter, dessen Raupen am Weißen Mauerpfeffer lebt. Dieser ursprünglich aus den Gebirgen Vorderasiens stammende Ritterfalter besitzt im unteren Moseltal eine von wenigen außeralpinen Reliktvorkommen innerhalb Deutschlands. Da die Population an der Untermosel bereits seit sehr langer Zeit isoliert sind, konnte sich hier eine eigene Unterart entwickeln, die als Mosel-Apollo (Parnassius apollo vinningensis) bezeichnet wird.

Der Mosel-Apollo besitzt im Gegensatz zu anderen Apollounterarten keine runden sondern nierenförmig ausgeprägte rote Flecken auf den Hinterflügeln. Der Mosel-Apollo ist der Schmetterling der Terrassenmosel. Er fühlt sich bedingt durch das große Blütenangebot im Razejungewingert in den Monaten von Mai bis Anfang August besonders wohl.


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Artenliste der Schmetterlinge im Razejungewingert
Stand Sommer 2017

Die nächsten Termine

Datum: 9. März 2018
KOCHEN
Zeit: 16:30 Uhr
Ort: Regionale Schule Kobern-Gondorf


Datum: 06. April 2018
WEINSEMINAR
Zeit: 19:00 Uhr
Ort: Probierstube Weingut Matthias Deis, Lehmen


Datum: 27. April 2018
KRÄUTERKÜCHE FÜR FRAUEN
Zeit: 15:00 Uhr
Ort: Würzlaygarten, anschl. Restauration "Erlenbärsch", Lehmen

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Impressionen

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