Projekt: Errichtung eines Weinberg-Erlebnispfads für Kinder

Ziel des Vereins ist es, Kindern und Jugendlichen die einzigartige Kulturlandschaft der Terrassenmosel nahe zu bringen. Sie sollen für die einzigartige Flora und Fauna im vergleichsweise mediterranem Klima sensibilisiert werden und lernen Verantwortung für Umwelt und Natur zu übernehmen. Gleichzeitig können auch die vielen Radtouristen, Urlauber und natürlich auch die Dorfbewohner den Weinberg-Erlebnispfad besuchen, sich über unsere Weinbau-landschaft informieren und sich im Razejungewingert erholen.

Der Verein der Lehmener Razejunge legte im Zeitraum Sommer bis Herbst 2017 einen gut begehbaren Weinberg-Erlebnispfad für Kinder im unteren Hangbereich des Razejungewingerts in der Lehmener Würzlay an. Von einem ca. 280 m langen Rundweg aus ist es nun möglich, kompakt die einzigartige Flora und Fauna der Kulturlandschaft der Terrassenmosel auf einem interessanten Flurstück zu erleben.

  • Weinberg-Erlebnispfad

    2017 wurde der Weinberg-Erlebnispfad angelegt.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    Ziel ist, das Interesse für die Terrassenmosel zu wecken.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    Am Pfad wurden auch Pfirsichbäumchen gepflanzt.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    An markanten Stellen informieren Thementafeln.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    Wegmarkierungen mit dem Razejunge-Logo.
    Foto © Dieter Möhring

Da der eigentliche Razejungeweinberg relativ schmal ist, wurden auf zusätzlich gepachteten Parzellen links und rechts des Razejungewingerts die Flächen entsprechend hergerichtet. Gestrüpp und Wurzelwerk wurde ausgehackt, Schotter und Bruchsteine eingefallener Trockenmauern entfernt, Hangstücke abgeböscht bzw. eingeebnet. Erst danach konnte mit der eigentlichen Arbeit zur Anlegung des Pfades begonnen werden. Die abwechslungsreiche Wegführung wurde in reiner Handarbeit ausgeführt, die Pfadbreite auf ca. 50 cm ausgelegt. Einebnungen wurden vorgenommen, Stufen aus Bruchsteinplatten gesetzt, partiell Gambionen zur Wegstabilisierung aufgebaut und anschließend bepflanzt.

In einem Teilbereich wurden kleine Terrassen mit Trockenmauern angelegt, um ein ehemaliges Schotterfeld wieder mit Lavendel und Kräutern zu bepflanzen. Kniehohe Trockenmauern wurden zur Wegbefestigung und zur Beeteinfassung von regional-typischen Weinbergblumen und Kräutern errichtet. In die Fugen der Trockenmauern wurden z.T. Farne und Mauerpfeffer eingepflanzt. Besonders große Abdeckplatten der Trockenmauern wurden so ausgewählt, dass sie nun auch als Sitzfläche genutzt werden können. Alte Bruchsteintreppen, die vom neu angelegten Pfad hinunter zum Radweg führen, wurden ausgebessert und z.T. verstärkt. Vereinsmitglieder absolvierten extra einen Trockenmauerbaulehrgang und wurden zusätzlich von Fachleuten beim Bau beraten, um die aufwendigen Arbeiten sachgemäß durchzuführen. Die benötigten Bruchsteine wurden aus Weinbergbrachen und eingestürzten Trockenmauern von naheliegenden Parzellen verwendet. Mehrere Tonnen Bruchsteine mussten transportiert und verbaut werden. Jüngere Vereinsmitglieder brachten sich hierbei besonders ein. Weinbergbesitzer stellten die Bruchsteine z.T. kostenlos zur Verfügung und ein Landwirt half beim Transport mit entsprechendem Fahrzeug.

Vorhandene Lavendelpflanzungen wurden auf die für den Erlebnispfad dazu gepachteten Flächen ausgedehnt. Unmittelbar am Pfad wurden wärmeliebende Kräuter, Feigen- und Pfirsichbäumchen gepflanzt. Die Pflanzen wurden zugekauft und einige stammten aus eigener Aufzucht. Bedingt durch die Neuanlegung des Erlebnispfades mit seiner Randbepflanzung befinden sich im Razejungewingert nunmehr über 60 Weinbergpfirsichbäume bzw. -bäumchen. Da auch der bestehende Kräutergarten wesentlich ausgedehnt wurde, sind über 40 unterschiedliche Kräutersorten zu sehen. Besonderen Wert wurde auf wärmeliebende Kräuter und Weinbergblumen gelegt.

Gleichzeitig soll ein großes Blütenangebot geschaffen werden, um Bienen, Hummeln und Schmetterlingen ein großes Nahrungsangebot zu sichern, eine Maßnahme um dem Insekten-sterben entgegen zu wirken. Nisthilfen für Vögel und Insekten wurden selbst gebaut und an entsprechenden Stellen positioniert sowie eine mächtige Steinlinse und Totholzbereiche für Reptilien angelegt. Die erforderlichen Kenntnisse hierzu wurden in besonderen Ausbildungen (DLR Naturerlebnisbegleiter), Lehrgängen, aus Literatur und Fachberatung (u.a. NABU) von den Razejunge erworben. Um auf Besonderheiten am Weinberg-Erlebnispfad aufmerksam zu machen, den Blick auf Interessantes zu fokussieren, wurden "Schaufenster der Natur" aufgestellt. Die Holzkonstruktionen wurden selbst entworfen und gebaut. Sie erfreuen sich bei Besuchern inzwischen besonderer Beliebtheit, sind ein begehrtes Fotomotiv. Vor den Schaufenstern wurden Podeste angelegt und mit Bruchsteinen eingefasst.

  • Weinberg-Erlebnispfad

    "Schaufenster der Natur" wecken Aufmerksamkeit.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    Über 40 Kräutersorten wachsen hier.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    Die Wegführung wurde in Handarbeit ausgeführt.
    Foto © Dieter Möhring

  • Weinberg-Erlebnispfad

    Das Projekt wurde durch die LAG Mosel gefördert.
    Foto © Dieter Möhring

Die Wegführung wurde so gelegt, dass auch die unterschiedlichen Rebenerziehungsarten (Einzelstock- und Spalier-/Drahtrahmenerziehung) gut verglichen werden können. Der Pfad wurde zwischen den Pflanzungen breiter gehalten wie in den anderen Bereichen üblich. Danach führt der Weg an hohen Trockenmauern entlang. Um eine gute Begehbarkeit zu gewährleisten, wurde diese Passage sorgfältig eingeebnet und mehrmals nachgearbeitet.

An markanten Stellen können sich die Besucher über Thementafeln informieren. Hier gibt es Erläuterungen mit bildlichen Darstellungen über Besonderheiten im Weinberg (u.a. über Trockenmauern als Lebensraum, Schmetterlinge, Reptilien usw.). Die stabilen Holzpulte für die Thementafeln wurden selbst entworfen und in Eigenregie gebaut. Die Texte für die Tafeln wurden selbst verfasst. Bei einer Spezialfirma wurden die eigentlichen Tafeln aus einem witterungsbeständigen Aluminium/Kunststoffverbundwerkstoff mit endgültigem Druckdesign geordert. Markierungsschilder mit dem Logo der Razejunge und dem Schriftzug "Weinberg-Erlebnispfad" führen den Besucher über den neuen Weinbergpfad.

Es hat sich bewährt, dass Start und Ziel des Rundweges am Rastplatz des Razejungewingerts ist. Die Sitzgruppe unter einer Rebenpergola entwickelte sich zu einem beliebten Kommunikationspunkt. Hier sind auch Flyerboxen von Mitgliedern der Lehmer Razejunge angebracht worden mit Informationsmaterial über den Razejungewingert und den nahegelegenen Würzlaysteig. Gut frequentiert wird der Rastplatz auch von Radtouristen, da der Moselradweg unmittelbar am Razejunge Weinberg vorbeiführt. Die Kinder des 3. und 4. Schuljahrs der St. Georg Grundschule besuchen mit ihren Lehrern den Weinberg-Erlebnispfad im Rahmen ihres Unterrichts. Die Razejunge erklären Wissenswertes aus Weinberg und Kräutergarten - Unterrichtsstunden unter freien Himmel. Dabei werden Kräuter probiert, der Duft wahrgenommen und Schmetterlinge bewundert. Fossilien und Weinbergschneckenhäuser werden bestaunt. Zum Abschluss gibt es noch ein Weinbergquiz. Das Projekt wurde von Vereinsmitglieder der Lehmer Razejunge ehrenamtlich in Eigenregie durchgeführt. Eine Förderung erfolgte von der LAG Mosel im Rahmen des Vorhabens "Ehrenamtliche Bürgerprojekte ". Unterstützt wurde der Verein bei der Maßnahmendurchführung mit 1.600 € für Sachaufwendungen. Der Pfad wird gut angenommen von den unterschiedlichsten Besuchern und Besuchergruppen, u.a. stand er als Programmpunkt auf dem jährlichen Treffen einer Großfamilie.

Lehmen, 27.10.2017, D.Möhring

 

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05 Mai 2018
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